Berlin (epd). Der von der Bundesregierung berufene Corona-Expertenrat erwartet für die kommenden Wochen und Monate in Deutschland „enorme Herausforderungen, die ein gemeinsames und zeitnahes Handeln aller erfordern“. Die kürzlich identifizierte Omikron-Variante des Coronavirus infiziere „in kürzester Zeit deutlich mehr Menschen und bezieht auch Genesene und Geimpfte stärker in das Infektionsgeschehen ein, heißt es in der am 19. Dezember veröffentlichten ersten Stellungnahme des Gremiums. Dies könne zu einer “explosionsartigen Verbreitung" führen.

IMPFSCHUTZ: Erste Studienergebnisse zeigten, „dass der Impfschutz gegen die Omikron-Variante rasch nachlässt und auch immune Personen symptomatisch erkranken“. Der Schutz vor schwerer Erkrankung bleibe wahrscheinlich teilweise erhalten. Mehrere Studien zeigten einen deutlich verbesserten Immunschutz nach erfolgter Boosterimpfung mit den derzeit verfügbaren mRNA-Impfstoffen. Zugleich verweisen die Experten auf die „vergleichsweise große Impflücke“ in Deutschland. Dadurch sei mit einer sehr hohen Krankheitslast durch Omikron zu rechnen.

IMPFKAMPAGNE: Eine massive Ausweitung der Boosterkampagne könne die Dynamik verlangsamen und damit das Ausmaß mindern, aber nicht verhindern. Die Experten empfehlen eine Fortsetzung und Beschleunigung der Boosterimpfungen wie auch der Erst- und Zweitimpfungen auch über die kommenden Feiertage. Insbesondere für Ältere und andere Personen mit bekanntem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf sei höchste Dringlichkeit geboten.

BELASTUNG DES GESUNDHEITSSYSTEMS: Aufgrund des gleichzeitigen, extremen Patientenaufkommens sei eine erhebliche Überlastung der Krankenhäuser zu erwarten, so der Expertenrat. Das gelte selbst für den wenig wahrscheinlichen Fall einer deutlich abgeschwächten Krankheitsschwere im Vergleich zur Delta-Variante.

KONTAKTBESCHRÄNKUNGEN: Die Fachleute halten zusätzlich Kontaktbeschränkungen für notwendig, da Boosterimpfungen alleine keine ausreichende Eindämmung der Omikronwelle bewirkten. Dazu zählten „die Vermeidung größerer Zusammenkünfte, das konsequente, bevorzugte Tragen von FFP2-Masken, insbesondere in Innenbereichen, sowie der verstärkte Einsatz von Schnelltests bei Zusammenkünften vor und während der Festtage“.