Brüssel, Straßburg (epd). Die Tochter des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hat stellvertretend für ihn den Sacharow-Preis für Menschenrechte entgegengenommen. Daria Nawalnaja sagte am 15. Dezember bei der Preisverleihung im Straßburger Europaparlament, der Preis sei ein Signal für die vielen Bürger in Russland, die für ein besseres Schicksal ihres Landes kämpften. Nawalny war der mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung im Oktober zugesprochen worden.

Der 45-Jährige ist seit Jahren einer der populärsten Kritiker und politischer Herausforderer der russischen Staatsführung unter Präsident Wladimir Putin. Er setzte sich gegen Korruption und für Reformen ein - dafür trafen ihn Sanktionen. Im August 2020 wurde er während einer Reise nach Sibirien vergiftet. Er wurde in Berlin behandelt, kehrte aber im Januar 2021 nach Moskau zurück, wo die Behörden ihn verhafteten.

Gegen politischen Pragmatismus

Nawalnys 20-jährige Tochter wandte sich in ihrer auf Englisch gehaltenen Dankesrede gegen politischen Pragmatismus. Die Befriedigung von autoritären und diktatorischen Herrschern werde nie gelingen, erklärte sie.

Parlamentspräsident David Sassoli erneuerte die Forderung nach sofortiger Freilassung Nawalnys und zog eine Linie zum Namensgeber des Preises, Andrej Sacharow. Sacharow wäre sicher stolz darauf gewesen, wie entschlossen sein Landsmann für die Menschenrechte und Grundfreiheiten kämpfe, sagte Sassoli. Sacharow war ein sowjetischer Atomphysiker, der später auch zum Dissidenten wurde. 1975 erhielt er den Friedensnobelpreis.