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Studie

Integration: Neue Kontakte von Geflüchteten sind sehr wichtig



Berlin (epd). Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) liefert neue Einblicke, wie und in welchem Umfang Schutzsuchende neue Kontakte in Deutschland aufbauen. Dafür untersuchten die Autorinnen und Autoren das Verhalten von Geflüchteten aus Syrien und Eritrea. Es sei für eine gelingende Integration überaus wichtig, die Fähigkeit von Schutzsuchenden zum Aufbau neuer Beziehungen zu fördern, heißt es in einer Mitteilung des Instituts.

Dabei könnten niedrigschwellige Begegnungsorte hilfreich sein. Auch die gezielte Einbindung von Ehrenamtlichen kann demnach helfen, neue soziale Brücken zu schlagen. „Soziale Netzwerke leisten nicht nur Unterstützung im Alltag, sondern tragen wesentlich zur Integration und psychischen Stabilität von Schutzsuchenden bei“, so Ludovica Gambaro, Mitautorin der Studie. Eine vorausschauende Integrationspolitik sollte deshalb Räume für neue soziale Bindungen ermöglichen und stärken, so das Fazit.

Zeitraum von 2013 bis 2019 untersucht

Zum Hintergrund: Etwa 975.000 Menschen aus Syrien und knapp 85.000 aus Eritrea lebten Ende 2024 in Deutschland. Die Studie hat sich auf Menschen fokussiert, die zwischen 2013 und 2019 nach Deutschland kamen. Dabei trat zutage, dass die Schutzsuchenden in großer Zahl neue soziale Kontakte aufbauen - und dass diese für ihre Integration und ihr Wohlbefinden wichtig sind.

Die Ergebnisse basieren auf der repräsentativen Erhebung „Forced Migration and Transnational Family Arrangements“ (TransFAR), bei der im Sommer 2020 bundesweit 1.458 Schutzsuchende aus Syrien und Eritrea befragt wurden. Im Fokus steht dabei die Rolle neu aufgebauter Beziehungen für emotionale und praktische Unterstützung sowie gemeinsam verbrachte Freizeit.

Helfende Unterstützer zählen zu den häufigsten Kontakten

Wie aus der Studie hervorgeht, haben rund drei Viertel der Befragten innerhalb der ersten Jahre nach ihrer Ankunft neue Kontakte in Deutschland aufgebaut. Fast die Hälfte derjenigen, die den Neuankömmlingen praktische Unterstützung leisten, etwa bei Behördengängen oder bei der Jobsuche, sind Personen, die die Schutzsuchenden erst in Deutschland kennengelernt haben. Das trifft auch auf Personen zu, mit denen sie ihre Freizeit zusammen verbringen.

Die neu geknüpften Kontakte bezeichnen die Befragten überwiegend als Freundinnen, Freunde oder Bekannte, die für emotionale Unterstützung und für die gemeinsame Freizeitgestaltung sehr wichtig seien. „Soziale Beziehungen können sowohl den Zugang zu relevanten Informationen erleichtern als auch wesentlich zum Wohlbefinden von Schutzsuchenden beitragen“, hieß es. Für praktische Hilfen wiederum sind auch Personen aus der Geflüchtetenhilfe - oft aus Deutschland - wichtig: 35 Prozent der neu Kennengelernten, die praktische Unterstützung bieten, sind ehrenamtlich oder professionell Helfende.

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Untersuchung: Unverheiratete Schutzsuchende oder jene, die allein nach Deutschland kamen, haben deutlich häufiger neue Beziehungen aufgebaut. Wer hingegen gemeinsam mit anderen einreiste oder bereits Menschen in Deutschland kannte, verlässt sich stärker auf bestehende Bindungen.

Dirk Baas