sozial-Branche

Studie

Sozialbranche: Finanzierungsprobleme werden nicht kleiner




Plakat in Bad Homburg wirbt für Pflegekräfte.
epd-bild/Heike Lyding
Die SozialGestaltung GmbH hat das sechste "Trendbarometer Sozial- und Gesundheitswirtschaft" vorgelegt. Ergebnis: Die Organisationen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft stehen weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.

Köln (epd). Für die Untersuchung im Auftrag der Sozialbank wurden vom 18. März bis zum 17. April Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von über 2.300 sozialen Einrichtungen befragt, die den Bereichen ambulante und stationäre Pflege, Kliniken, Eingliederungshilfe sowie Vorsorge und Rehabilitation zuzuordnen sind. „Sie zeigt eine Branche, die sich zunehmend zwischen Zuversicht und wachsender Besorgnis spaltet und unterstreicht die Notwendigkeit politischer Reformen durch die neue Bundesregierung“, heißt es in der Zusammenschau der Ergebnisse.

Die Zuversicht mancher Betreiber treffe auf die wachsende Besorgnis anderer. Besonders Liquiditätsengpässe, Personalmangel und politische Unsicherheit werden demnach als drängende Herausforderungen wahrgenommen - woraus eine klare Erwartungshaltung an die neue Bundesregierung erwächst. Gefordert werden vor allem Klarheit und Sicherheit für die Betreiber.

Fehlendes Personal bleibt Herausforderung

Eines der zentralen Probleme der Branche bleibt demnach der Personalmangel, der direkt auf die Kapazitäten in der Belegung durchschlägt. Auf die Frage, ob der Fachkräftemangel in den zurückliegenden zwölf Monaten zu reduzierten Aufnahmezahlen geführt hat, antworteten 52 Prozent der Befragten mit Nein, gaben 38 Prozent Rückgänge um 10 Prozent an, 10 Prozent bezifferten den Rückgang auf bis zu 20 Prozent.

Auch in einem anderen Bereich der Unternehmensführung wurden Bedarfe abgefragt: im Segment der Investitionen in Nachhaltigkeit, also allen voran in die Gebäudesanierung (70 Prozent gaben an, in die Energieeffizienz investieren zu wollen). Doch fehlt es dazu fast ausnahmslos an Geld: 88 Prozent der Befragten sagten, es fehle hier die Refinanzierung durch die Kostenträger. 44 Prozent wünschen sich hier zudem Beratung, wie an Fördermittel zu kommen ist. „Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die Förderlandschaft zu komplex und schwer zugänglich gestaltet ist“, heißt es in der Studie.

Die zentralen Ergebnisse im Kurzform:

  • 44 Prozent der Befragten erwarten auch für das laufende Jahr ein negatives Betriebsergebnis. 43 Prozent verzeichneten schon im Vorjahr ein Minus.
  • Rund die Hälfte der Einrichtungen meldet zwischen März 2024 und März 2025 eine personalbedingte Reduktion der Aufnahmekapazitäten. Die Folge sind zum Teil erhebliche Einnahmeverluste.
  • Als die drei größten Herausforderungen werden genannt: Fachkräftemangel mangel (62 Prozent), Verhandlungen mit Kostenträgern (57 Prozent) und Lohnkostensteigerung (57 Prozent).
  • 59 Prozent der Unternehmen haben prosektiv Vergütungssteigerungen verhandelt, doch liegen die Zuwächse teilweise unter den Lohnsteigerungen. Immerhin 33 Prozent der Einrichtungen konnten Zuwächse über sechs Prozent, 25 Prozent der Unternehmen vier bis sechs Prozent erreichen.
  • Die Unternehmen hoffen auf einen konsequenten Bürokratieabbau in den Einrichtungen und spürbare Erleichterungen bei der Integration ausländischer Fachkräfte.
Dirk Baas