Ihr wöchentlicher Branchendienst
Ausgabe 14/2025 - 04.04.2025
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Schwerin (epd). Die Vorstandsvorsitzende des Flüchtlingsrates Mecklenburg-Vorpommern, Ulrike Seemann-Katz, lehnt die Verpflichtung von Asylbewerbern zur Arbeit ab. „Die Diskussion selber ist sehr rassistisch, weil sie von einem Faulenzergedanken her geführt wird“, sagte sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Schwerin. „Die meisten Menschen wollen gerne arbeiten, auch Geflüchtete. Sie möchten gerne für ihren Lebensunterhalt sorgen, zumal sie dann auch mehr Geld in der Tasche haben als die Asylbewerberleistungen.“
Allerdings gebe es zu Anfang die sogenannten Arbeitsverbote, „oder besser gesagt: Wartezeit“, sagte Seemann-Katz, deren Verein Flüchtlingsrat seit 30 Jahren besteht. So nenne sich das im Gesetz. „Dass heißt, dass man erst ab einem bestimmten Zeitpunkt arbeiten darf. Und dann muss man möglichst die deutsche Sprache soweit können, dass man einen Arbeitsplatz findet.“
Dabei ist es nach ihren Beobachtungen so, dass Arbeitgeber, wenn es passt, „Geflüchtete immer gerne nehmen, egal ob sie Deutsch können oder nicht“. Es gebe allerdings Arbeiten, die könne man gar nicht ohne Deutschkenntnisse machen. „Selbst ein einfacher Putzjob. Da sollte man wenigstens die Etiketten lesen können, damit man nicht irgendwelche Desinfektionsmittel falsch anwendet“, so Seemnann-Katz.
Zudem gebe es nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bereits so etwas wie Arbeitsmaßnahmen für Geflüchtete, sagte sie weiter. „Die müssen sogar arbeiten, sonst gibt es Leistungskürzungen.“ Die Kommunen nutzten das auch, vor allem für den internen Betrieb der Unterkünfte wie Reinigungsarbeiten. Das sei aber kein offizielles Arbeiten, „es ist nicht sozialversicherungspflichtig und begründet keine Rentenansprüche, auch keinen Urlaub“.
Zur Debatte, aus Syrien kommende Menschen nach dem politischen Umsturz wieder schnell abzuschieben, sagte sie: „Es sind inzwischen viele Menschen aus Syrien in Deutschland eingebürgert. Die meisten Syrerinnen und Syrer, die in der Lage waren zu arbeiten, sind auf dem Arbeitsmarkt.“ Es kommen jedoch immer wieder neue nach „und das scheint einen Erschöpfungszustand ausgebildet zu haben bei ehren- und hauptamtlichen Menschen in der Flüchtlingsarbeit sowie bei den Behörden“. Aber man müsse sich klarmachen, dass das eine Daueraufgabe bleibe. „Denn die Krisensituationen und die Migrationsbewegungen in der Welt werden nicht abnehmen. Schon gar nicht, wenn man an den Klimawandel denkt.“