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Gesundheit

Studie empfiehlt Stärkung von Prävention



Frankfurt a.M. (epd). Eine Studie beleuchtet die Gründe dafür, warum das deutsche Gesundheitssystem im internationalen Vergleich nur mittelmäßige Ergebnisse bringt, obwohl es zu den teuersten der Welt gehört. Laut der am 3. März im Fachmagazin „The Lancet“ erschienenen Untersuchung „Public health in Germany: Structures, dynamics and ways ahead health policy“ liegen die Ursachen nicht alle im Gesundheitssystem selbst.

So spiele etwa die Prävention im öffentlichen Leben nur eine geringe Rolle, schreiben die Autorinnen und Autoren. Einflussreiche Lobbys hätten Maßnahmen wie Steuern auf Alkohol, Tabak und Zucker verhindert oder abgeschwächt. Krankmachende Umweltbedingungen seien die Folge. Anstatt auf Vorbeugung konzentriere sich das Gesundheitssystem auf eine Reparaturmedizin, die oft das Mehrfache der Prävention koste. Zudem fehle eine zentrale Steuerung in der Gesundheitspolitik, auch bedingt durch den Föderalismus. Es herrsche ein Flickenteppich aus Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen, der zu schlechter Abstimmung und ineffizienter Mittelverteilung führe.

Problem für die gesamte Gesellschaft

Hajo Zeeb, Mitautor der Studie, erklärte, die Folge sei ein Gesundheitssystem, „das zwar enorm teuer ist, aber zu wenig für die langfristige Gesundheit der Bevölkerung tut“. Das bedeute nicht nur individuelle gesundheitliche Probleme, sondern sei auch eine Bürde für die gesamte Wirtschaft. Die Krankenkassen müssten auf die steigenden Kosten des Gesundheitssystems mit Beitragserhöhungen reagieren.

Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen ein Bündel von Maßnahmen. Es brauche eine nationale Strategie für öffentliche Gesundheit, die systemisch und sektorübergreifend angelegt sein und Prävention und Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt stellen müsse. Bildung, Arbeit und Umweltpolitik müssten stärker auf den Erhalt von Gesundheit ausgerichtet sein. Zudem müsse die Politik sich trauen, wirtschaftliche Interessen stärker zurückzudrängen, wenn sie im Widerspruch zum Erhalt von Gesundheit stehen. Als Beispielfelder nennen die Autorinnen und Autoren Alkohol, Tabak und Ernährung.