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Jugendherbergen: Ohne Förderung von Sanierungen ist Zukunft unsicher




Jugendherberge Prora (Archivbild)
epd-bild / Rudolf Stumberger
Die Zahl der Übernachtungen in den deutschen Jugendherbergen ist 2024 leicht zurückgegangen. Dennoch bleiben die Unterkünfte beliebt, insbesondere bei Schulklassen und Familien. Eine große Herausforderung sind nötige energetische Sanierungen.

Detmold (epd). Ohne staatliche Förderungen für Sanierungen sind laut dem Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) Standorte der bundesweit insgesamt knapp 400 Jugendherbergen bedroht. Als gemeinnütziger Verband, der keine hohen Rücklagen haben dürfe, sei man dringend auf die Unterstützung aus der Politik angewiesen, sagte DJH-Hauptgeschäftsführer Oliver Peters am 4. März in Detmold.

Allein aus eigenen Mitteln könnten die Sanierungen im energetischen und barrierefreien Bereich nicht umgesetzt werden, erklärte Peters. Es geht laut dem Deutschen Jugendherbergswerk um Investitionen von jährlich rund 30 Millionen Euro in den nächsten acht bis zehn Jahren. Ohne staatliche Unterstützung sei die Folge, „dass Standorte geschlossen werden müssen“, sagte Peters. Das betreffe vor allem Häuser im ländlichen Raum.

Leicht rückläufige Übernachtungszahl

Bislang gebe es für die Bereiche der energetischen und barrierefeien Maßnahmen „keine Programme, die uns derzeit in der Fläche weiterhelfen“, betonte der Hauptgeschäftsführer. Erwirtschaftete Einnahmen und Mitgliedsbeiträge könnten investiert werden. Aber ein gemeinnütziger Verband könne keine Eigenanteile von 80 Prozent stemmen. „Wir finden die Energiewende gut und sinnvoll, benötigen hier aber als gemeinnütziger Verband auf jeden Fall Unterstützung“, unterstrich Peters. Er sei jedoch zuversichtlich, „dass wir hier mit der neuen Regierung Lösungen finden werden, damit wir diesen Einsatz auch weiter erbringen können“.

Die Zahl der Übernachtungen in deutschen Jugendherbergen ging im vergangenen Jahr leicht zurück. Mit rund neun Millionen Übernachtungen 2024 waren es bundesweit 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr, sagte Peters auf der Bilanzpressekonferenz. Wegen Sanierungen hätten weniger Häuser als 2023 zur Verfügung gestanden. Auch seien Häuser geschlossen worden, wenn kein kostendeckender Betrieb möglich gewesen sei.

Zudem habe es im Vorjahr noch einen Nachholeffekt wegen der Corona-Pandemie gegeben, erklärte der DJH-Hauptgeschäftsführer. Zugleich würden in diesem Jahr auch wieder komplett neue und moderne Jugendherbergen ihre Türen öffnen, beispielsweise in Marburg und Gotha.

Inklusion im Blick

Die stärkste Gästegruppe waren den Angaben zufolge auch im Jahr 2024 die Schulen mit rund 41 Prozent. Danach folgten Familien mit 20 Prozent sowie Wander- und Freizeitgruppen mit 16 Prozent. Die Zahl der Mitglieder hat laut DJH zum Stichtag 31. Dezember 2024 mit 2,38 Millionen Mitgliedern um 16.000 höher gelegen als ein Jahr davor.

In diesem Jahr rückt das Deutsche Jugendherbergswerk das Thema Inklusion in den Blick. Menschen mit Behinderungen seien eine wichtige Gästegruppe, sagte Peters. „Wir wollen allen Menschen das Reisen ermöglichen, ob mit oder ohne Behinderungen.“ In dem Schwerpunktjahr werden spezielle Kurse und Seminare für Mitarbeitende angeboten. Es solle nicht über diese Gästegruppe, sondern mit ihr gesprochen werden, unterstrich Peters. Zudem würden Kooperationen mit Reiseveranstaltern für Menschen mit Behinderungen ausgebaut. Im vergangenen Jahr war das Schwerpunkthema „Internationales“.

Trotz insgesamt positiver Jahreszahlen, hoffen auch die Jugendherbergen in Bayern auf staatliche Hilfen. „Wenn Investitionen fehlen, geht massiv soziale Substanz verloren Die positive Entwicklung im touristischen Bereich und bei Bildungsangeboten der Jugendherbergen wird jedoch von einem massiven Investitionsstau bedroht“, teilte Klaus Umbach, Präsident des Jugendherbergswerk Bayern, am 6. März mit.

Als gemeinwohlorientiertes Unternehmen verfüge das Jugendherbergswerk nur über geringe Rücklagen. „Gleichzeitig wachsen die politischen Anforderungen im Hinblick auf Energieeffizienz oder Barrierefreiheit. Damit einher gehen wachsende Ansprüche der Gäste nach mehr Aufenthaltsqualität, nachhaltig-biologischen Lebensmitteln und attraktiven Programmangeboten.“ Das Jugendherbergswerk Bayern werde insbesondere die unausweichlichen bauinvestiven Maßnahmen mittelfristig nicht mehr realisieren können. Damit schwindee zusehends die Substanz des Verbands. Umbach warnte: "In der Folge drohen schon in wenigen Jahren weitere Schließungen von Häusern vor allem in strukturschwachen Regionen Bayerns.

Das gemeinnützige Deutsche Jugendherbergswerk betreibt nach eigenen Angaben 392 Jugendherbergen in 14 DJH-Landesverbänden. Für das Jugendherbergswerk arbeiten 5.100 Menschen hauptamtlich und 650 ehrenamtlich.

Holger Spierig