

Nürnberg (epd). Care-Arbeit muss laut der Expertin Andrea König als essenzieller Bestandteil der Wirtschaft gesehen werden. „Sie macht alle andere Arbeit erst möglich“, sagte die Referentin im „forum frauen“ in der Wirkstatt evangelisch in Nürnberg, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Equal Care Day (1. März). In der Schweiz zum Beispiel werde unbezahlte Sorgearbeit volkswirtschaftlich einberechnet, sagte König, die Mitunterzeichnerin des „Manifests“ des Netzwerks Equal Care Day ist. Zur unbezahlten Sorge- oder Care-Arbeit zählen etwa Kinderbetreuung, Haushalt oder die Pflege von Angehörigen, die noch immer überwiegend von Frauen geleistet werden.
In Deutschland hingegen werde Care-Arbeit wie ein Nebenschauplatz des Systems behandelt und häufig nicht wahrgenommen, kritisierte König. So müssten Pflegezeiten auf die Rente angerechnet oder steuerliche Anreize für Menschen geschaffen werden, die Sorgearbeit leisten. Wäre die Care-Arbeit im ökonomischen System anerkannt, könnten Politik und Wirtschaft konkrete Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Care- und Erwerbsarbeit initiieren. Außerdem ließen sich Ausbildungen besser mit Care-Verantwortung vereinbaren und Kompetenzen aus der Sorgearbeit auf dem Arbeitsmarkt anrechnen, sagte König weiter.
Flexiblere Arbeitszeitmodelle, fairere Bedingungen für bezahlte Sorgearbeit und die Berücksichtigung von Care-Biografien bei Einstellungen wären weitere Konsequenzen. Vor allem: Es gäbe weniger Altersarmut bei Frauen und bessere finanzielle Absicherungen für alle, die Care-Arbeit leisten. Für all das brauche es aber einen Kulturwandel, sagte König weiter. Care-Arbeit müsse als wertvolle und notwendige Arbeit im Mittelpunkt stehen. „Sie ist das Rückgrat, die Grundlage unserer Gesellschaft.“
Auch stereotype Rollenbilder in Paarbeziehungen müssen laut König überwunden werden. Denn: Häufig organisierten Frauen den Alltag von Paaren und Familien. „Es ist ein ständiges Koordinieren, Planen, Organisieren, Terminieren.“ Selbst aufgeklärte Frauen und Paare tappten in die Falle. „Den Männern fehlt es meist nicht am Wollen, sondern eher an der Kompetenz, am Blick und an Übung für die mentale Arbeit. Frauen dagegen unterschätzen diese Aufgabe oft“, sagte König. Wichtig sei, Rollenzuschreibungen gemeinsam zu reflektieren, zu durchbrechen und sich für ein Umdenken einzusetzen.