Ihr wöchentlicher Branchendienst
Ausgabe 5/2024 - 02.02.2024
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Berlin (epd). Die Bruttostundenlöhne in Deutschland sind einer Studie zufolge zwischen 1995 und 2021 inflationsbereinigt um durchschnittlich 16,5 Prozent gestiegen. Dabei fällt der Zuwachs im untersten Lohndezil, also bei den zehn Prozent der Beschäftigten mit den niedrigsten Löhnen, mit rund sechs Prozent am geringsten aus. In den obersten vier Dezilen legten die Löhne um etwa 20 Prozent zu, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am 31. Januar in Berlin mitteilte. In den letzten zehn Jahren sei die Lohnungleichheit aber gesunken.
Seit 2013 sind nach den Angaben im untersten Lohndezil die Löhne besonders stark gestiegen. Dadurch schrumpfe der Niedriglohnsektor seitdem deutlich. Dennoch habe sich die Einkommensungleichheit nicht verringert, weil die oberen Einkommen überproportional gestiegen seien, heißt es in der DIW-Studie.
„Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor ist auf einen Tiefstand der letzten 25 Jahre gefallen“, erklärte Studienautor Markus M. Grabka. Eine der Ursachen hierfür liege in der Einführung und den schrittweisen Erhöhungen des Mindestlohns. „Aber auch die veränderte Lohnpolitik der Gewerkschaften, die zunehmend auf Mindestzahlungen für untere Lohngruppen setzt, wirkt sich auf den Niedriglohnsektor positiv aus.“ So arbeitete Mitte der 2000er Jahre etwa ein Viertel der Beschäftigten zum Niedriglohn, was auch im internationalen Vergleich viel war. Mit der Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro im Oktober 2022 waren es laut Grabka nur noch rund 15 Prozent.
Aktuell ist nach den Angaben etwa jeder Sechste in Deutschland von niedrigen Einkommen betroffen. „Hier sollte die Politik nachsteuern“, empfiehlt Grabka. So müssten Zugewanderte besser und schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden. Ihr Anteil im untersten Einkommensdezil habe sich in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt. Zudem müssten junge Erwachsene ohne Berufsabschluss gezielt qualifiziert werden, da sie vielfach dauerhaft von Armut bedroht sind.