

Gütersloh (epd). Jugendliche fürchten durch die Corona-Pandemie schlechtere Ausbildungschancen. 80 Prozent seien sind mit dem Engagement der Politik für Ausbildungsplatzsuchende unzufrieden, wie die Bertelsmann Stiftung am 4. Mai in Gütersloh erklärte. Mehr als jeder zweite der Jugendlichen (54 Prozent) sei der Auffassung, dass sich die Ausbildungschancen wegen Corona verschlechtert haben, wie aus einer Umfrage der Stiftung für die Untersuchung „Ausbildungsperspektiven im dritten Corona-Jahr“ hervorgeht.
Knapp die Hälfte der 1.666 befragten Jugendlichen (48 Prozent) ist demnach der Meinung, es gebe genügend Ausbildungsplätze. 37 Prozent sind der Auffassung, es gebe zu wenige.
In Nordrhein-Westfalen fürchten 50 Prozent der Jugendlichen den Angaben zufolge eine Verschlechterung der Ausbildungschancen durch Corona. Ähnlich wie bundesweit sind 80 Prozent der Jugendlichen der Meinung, dass die Politik nicht genug für die Ausbildungsplatzsuche unternehme.
Die Einschätzung der Jugendlichen unterscheidet sich nach der jeweiligen Schulbildung: Von den Jugendlichen mit niedriger Schulbildung hat der Umfrage zufolge bundesweit fast jeder Zweite (49 Prozent) den Eindruck, dass die Zahl der Ausbildungsplätze nicht reiche. Trotz vieler unbesetzter Ausbildungsstellen blieben laut Statistik mehr als ein Drittel der Menschen mit Hauptschulabschluss zwischen 20 und 34 Jahren ohne Ausbildung, erklärte die Stiftung.
Die im Koalitionsvertrag verankerte Ausbildungsgarantie müsse „jetzt zügig und wirkungsvoll umgesetzt werden“, forderte der Ausbildungsexperte der Bertelsmann Stiftung, Clemens Wieland. „Wir müssen auch jedem einzelnen Jugendlichen einen erfolgversprechenden Start ins Berufsleben ermöglichen.“
Regional wird die Ausbildungssituation offenbar sehr unterschiedlich wahrgenommen. So werteten besonders Jugendliche in Berlin (50 Prozent) und in Bremen (49 Prozent) das Angebot an Ausbildungen als zu gering. In Bayern hingegen sehen demnach die wenigsten Jugendlichen (31 Prozent) einen Mangel an Ausbildungsplätzen. Dort gebe es im Ländervergleich auch besonders viele Plätze, erklärte die Stiftung.
80 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit niedriger Schulbildung und fast ebenso viele mit mittlerer Schulbildung (78 Prozent) wollen der Umfrage zufolge auf jeden Fall eine Ausbildung machen. Ein Fünftel sei noch unentschlossen, hieß es. Von den Schülerinnen und Schüler mit hoher Schulbildung seien es hingegen lediglich 16 Prozent, die eine Ausbildung sicher anstrebten. 43 Prozent seien noch unentschlossen.
Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, sagte, es sei alarmierend, „dass sich so viele junge Menschen um ihre Zukunft sorgen“. Auf der einen Seite beklagten Betriebe lautstark den Fachkräftemangel, auf der anderen Seite fänden viele junge Menschen keinen Einstieg in die Ausbildung. „Die Unternehmen dürfen sich nicht allein auf die Ausbildung von jungen Menschen mit höheren Abschlüssen oder Studienabbrechern konzentrieren. Wir brauchen endlich ein systematisches Management des Übergangs nach der Schule und eine Ausbildungsgarantie, die diejenigen auffängt, die bei der Ausbildungsplatzsuche leer ausgegangen sind“, so Hannack. Das Interesse an Ausbildung sei nach wie vor hoch, aber es müsse endlich konsequent genutzt werden.
Für die repräsentative Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut iconkids & youth im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom 28. Januar bis 6. März bundesweit 1.666 14- bis 20-Jährige befragt.