Ausgabe 2/2018 - 12.01.2018
Nürnberg (epd). Die Zahl der Menschen, die über Jahre keine feste Arbeit finden, hat sich deutlich verringert. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte am 9. Januar in Nürnberg eine Studie, wonach sich der Anteil chronisch Arbeitsloser unter allen Erwerbspersonen seit 2006 von mehr als sechs auf rund drei Prozent halbiert hat. Im Jahr 2015 waren 1,2 Millionen Menschen schon jahrelang und eine weitere Million mindestens ein Jahr erwerbslos. 2006 waren 2,6 Millionen Menschen schon jahrelang und weitere 1,9 Millionen ein Jahr arbeitslos.
Als Gründe für den Rückgang der chronischen Arbeitslosigkeit nennen die IAB-Forscher die seit zehn Jahren fast durchgängig gute Konjunktur sowie die Hartz-Reformen. Der Studie zufolge gelingt es 15 Prozent der chronisch Arbeitslosen, innerhalb von fünf Jahren wieder eine reguläre Beschäftigung zu finden. Als besonders wirksame beschäftigungsfördernde Maßnahmen nennt die Studie Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber, die Erwerbslose einstellen sowie die berufliche Weiterbildung der Arbeitslosen.
Mit dem Begriff der chronischen Arbeitslosigkeit werden Arbeitnehmer erfasst, die über Jahre zwischen Erwerbslosigkeit, Beschäftigungsmaßnahmen und befristeten Jobs pendeln, aber im ersten Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen können. Langzeitarbeitslosigkeit bezeichnet dagegen eine Erwerbslosigkeit von mehr als einem Jahr. Sie endet, sobald ein Erwerbsloser etwa an einer Maßnahme teilnimmt. Wenn er danach wieder arbeitslos ist, gilt er erst nach einem Jahr erneut als Langzeitarbeitsloser.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen gibt daher keine genaue Auskunft darüber, wie viele Menschen schon über Jahre in der Arbeitslosigkeit feststecken. Die Gruppe der chronisch Arbeitslosen ist größer als der Langzeitarbeitslosen. Die IAB-Forscher haben sie erstmals statistisch erfasst und mit Zahlen aus Dänemark und Finnland verglichen. Die Ergebnisse weisen in zwei Richtungen: Die absolute Zahl der chronisch Arbeitslosen ist deutlich gesunken. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen hat sich aber in allen drei Ländern erhöht und verfestigt.
In Deutschland ist die chronische Arbeitslosigkeit um das 1,4-fache höher als die Zahl der statistisch erfassten Langzeitarbeitslosen; in Dänemark um den Faktor 1,8, in Finnland sogar um das Dreifache. Der IAB-Studie zufolge sind gut ein Drittel (35-37 Prozent) aller Arbeitnehmer, die arbeitslos gemeldet sind oder an Beschäftigungsmaßnahmen teilnehmen, chronisch Arbeitslose. Sie finden höchstens Kurzzeit-Jobs und sind dann wieder arbeitslos.
Für jene Dauer-Erwerbslosen, die trotz aller Bemühungen auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chancen haben, empfehlen die IAB-Forscher öffentlich geförderte Beschäftigungsangebote. Ein Drittel der chronisch Arbeitslosen ist den Angaben der Studie zufolge schon zehn Jahre oder länger ohne Beschäftigung und wird keinen regulären Job mehr finden.