» Caritas: NRW-Asylstufenplan verstößt gegen UN-Kinderrechtskonvention
» Wittekindshof gewinnt Schutzbengel Award
» Weniger Schüler und Studenten bekommen Bafög
» Knapp 2.000 "Hitzetote" im Sommer 2018
» Mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung

Flüchtlinge

Caritas: NRW-Asylstufenplan verstößt gegen UN-Kinderrechtskonvention




Flüchtlingskind in einer Notunterkunft (Archivbild)
epd-bild/ Volker Hoschek
Der Caritasverband für die Diözese Münster hat den Asylstufenplan der nordrhein-westfälischen Landesregierung scharf kritisiert. Das neue Aufnahmesystem zur Steuerung von asylsuchenden Flüchtlingen verstoße gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, hieß es.

Maike Krumm vom Migrationsdienst der Caritas beanstandete am Freitag in Münster, dass Familien dem Plan nach bis zu sechs Monate in den Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) bleiben sollen, ohne dass die Kinder der Schulpflicht unterliegen oder Anspruch auf Schulbesuch haben.

Die neuen Regelungen hätten das Ziel der Erstaufnahme der Flüchtlinge umgekehrt, sagte Krumm: "Der Schwerpunkt liegt jetzt auf Abschiebung und Rückführung statt Ankommen." Vor allem sei die mögliche Aufenthaltsdauer der Asylbewerber in den zentralen Einrichtungen vor ihrer Zuweisung auf eine Kommune auf bis zu zwei Jahre verlängert worden. In dieser Zeit solle die Bleibeperspektive geklärt und die Menschen gegebenenfalls direkt wieder abgeschoben werden, erklärte die Expertin.

Ob während der bis zur zwei Jahre dauernden Unterbringung erste Schritte zur Integration gegangen werden könnten, hängt nach Beobachtung von Krumm stark von den räumlichen und organisatorischen Bedingungen ab. So gebe es bei einer überschaubaren, innerstädtischen Einrichtung wenig Probleme. Anders sei das bei einer außerhalb der gleichen Stadt gelegenen großen Zentralen Unterbringungseinrichtung, in der überwiegend junge Männer wohnten. Hier stelle sich die Frage, was passiere, wenn sie bis zu zwei Jahre allein mit ihren traumatischen Erfahrungen blieben, sagte die Migrationsberaterin.

Sobald eine Unterbringungseinrichtung mehr als 200 Plätze habe, sei keine sinnvolle Arbeit mehr möglich, kritisierte Krumm.

Nach dem Asylstufenplan des Landes NRW sind asylsuchende Flüchtlinge bis zu sechs Monate in einer Landeseinrichtung untergebracht. Asylbewerber, deren Antrag im Schnellverfahren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) abgelehnt wurde, sogar bis zu zwei Jahre.




 
 

Auszeichnung

Wittekindshof gewinnt Schutzbengel Award



Das Projekt "ABAKUS - mein Leben zählt!“ des Wittekindshofes erhält den Schutzbengel Award 2019. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und soll Anfang November bei der Kongressmesse ConSozial in Nürnberg überreicht werden, teilte der Wittekindshof am Freitag mit.

Gesucht waren innovative Projekte und Initiativen, die junge Menschen begleiten, die durch alle Raster fallen. ABAKUS wendet sich den Angaben nach an schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung.

Der Wittekindshofer Diakon und Traumapädagoge Axel Menningen hat in den letzten fünf Jahren mit einem interdisziplinären Projektteam bewährte Grundlagen und Methoden der Traumapädagogik für junge Menschen mit Lernschwierigkeiten weiterentwickelt und ein spezialisiertes Wohnangebot mit heilpädagogischer Intensivbetreuung in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen aufgebaut.

Überzeugt habe den wissenschaftlichen Beirat der Aktion Schutzbengel als Jury, dass der Wittekindshof mit ABAKUS den Kindern und Jugendlichen einen sicheren Ort anbietet, wo auch Krisen gemeinsam durchgestanden werden: "ABAKUS eröffnet Perspektiven für junge Menschen mit geistiger Behinderung und schwerer Traumafolgestörung, bei denen die Gefahr groß ist, dass sie durch alle Raster fallen."

Die Aktion Schutzbengel ist eine Initiative der Rummelsberger Diakonie, einem der großen diakonisch-sozialen Träger in Bayern. Der Schutzbengel Award wird zum 12. Mal verliehen und ist ein Preis der Kinder- und Jugendhilfe, der in diesem Jahr erstmals an einen Träger der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung verliehen wird.


 
 

Statistik

Weniger Schüler und Studenten bekommen Bafög



Im Jahr 2018 haben in Deutschland 727.000 Frauen und Männer für ihre Ausbildung Bafög erhalten. Das waren 55.000 (7,1 Prozent) weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Von den Geförderten sind rund 209.000 Schüler und 518.000 Studenten.

Die Höhe des Förderbetrages ist unter anderem abhängig von der Ausbildungsstätte und ob die Geförderten noch bei ihren Eltern wohnen. Im Durchschnitt erhielten 2018 geförderte Studenten 493 Euro und Schüler 454 Euro. Die Hälfte der Bafög-Empfänger erhielt den maximalen Förderbetrag, die andere Hälfte eine Teilförderung, die geleistet wird, wenn das Einkommen der Geförderten oder der Eltern bestimmte Grenzen übersteigt.

Zum 1. August des laufenden Jahres wurde die Ausbildungsförderung verändert. Bislang lag der monatliche Höchstsatz für Studenten bei 735 Euro. Seit Monatsbeginn sind es 853 Euro, zum Wintersemester 2020/21 wird der Höchstsatz bei 861 Euro liegen. Wer eine schulische Ausbildung absolviert, erhielt früher maximal 708 Euro. Mit der Reform steigt die maximale Fördersumme im Jahr 2019 auf 825 Euro und im Jahr 2020 auf 832 Euro.

Seit 2015 übernimmt der Bund die volle Finanzierung der Bafög-Leistungen. Im Jahr 2018 betrugen die Ausgaben rund 2,7 Milliarden Euro.



 
 

Baden-Württemberg

Knapp 2.000 "Hitzetote" im Sommer 2018



In Baden-Württemberg sind Schätzungen zufolge im Sommer 2018 fast 2.000 Menschen aufgrund hoher Temperaturen verstorben. Das seien 7,5 Prozent der gesamten Sterbefälle in den Monaten Juni, Juli und August 2018, teilte das Statistische Landesamt Baden-Württemberg am Freitag mit. Die bislang höchste Zahl an "Hitzetoten" sei für den "Jahrhundertsommer 2003" ermittelt worden, damals starben knapp 2.700 Menschen wegen der hohen Temperaturen.

Für die hitzebedingten Todesfälle sind den Angaben zufolge nicht allein die Temperaturen verantwortlich, auch Luftfeuchtigkeit sowie Windverhältnisse hätten einen entscheidenden Einfluss.

Todesursachen, die bei Hitze besonders zunehmen, sind vor allem Kreislauf-Krankheiten, Psychische Probleme und Verhaltensstörungen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten sowie Demenz. "Betroffen sind vor allem hochbetagte Menschen, bei denen das Durstempfinden gestört ist", heißt es in der Mitteilung. Oft litten die Menschen auch noch unter weiteren Krankheiten.


 
 

Hessen

Mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung



Die Kinder- und Jugendhilfe in Hessen hat im vergangenen Jahr 4.097 Fälle von Kindeswohlgefährdung festgestellt. Dies seien 541 mehr Fälle als im Vorjahr gewesen, teilte das Hessische Statistische Landesamt in Wiesbaden mit. Das entspricht einem Anstieg um 15 Prozent. Insgesamt nahmen die Behörden 2018 rund 12.500 Gefährdungseinschätzungen vor (2017: 10.800). Bei gut der Hälfte der Einschätzungen stellten sie einen Hilfebedarf fest.

Die häufigste Gefährdungsart bei gut der Hälfte der Fälle war nach Angaben der Statistiker die Vernachlässigung. Psychische Misshandlungen wurden in 40 Prozent der Fälle genannt, körperliche Misshandlungen in 27 Prozent der Fälle. Sexuelle Gewalt wurde in fünf Prozent der Fälle festgestellt. Die Familienverhältnisse spielten für die Gefährdungseinschätzungen eine Rolle, erklärte das Landesamt. In der Hälfte der Fälle lebten die Kinder und Jugendlichen bei einem alleinerziehenden Elternteil oder bei einem Elternteil mit neuem Partner.