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SVR: Jobeinstieg für internationale Fachkräfte erleichtern




Protestaktion gegen Personalnot in Kitas
epd-bild/Dirk Baas
Der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) beklagt, dass viele der im Ausland qualifizierten Pädagoginnen und Pädagogen in Deutschland nur schwer passende Jobs annehmen. Dadurch steige die Personalnot in den Einrichtungen noch weiter an.

Berlin (epd). Aus dem jüngst vorgestellten „Policy Brief“ des SVR geht hervor, dass das Scheitern bei der Jobsuche vor allem Personen betrifft, die erst kürzlich zugewandert sind. Dabei bestehe durchaus Interesse an der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, heißt es in einer Mitteilung. „Es gibt ein Fachkräftepotenzial von rund 40.000 im Ausland qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen, die gerne hier arbeiten würden,“ sagte Jan Schneider, Leiter des Bereichs Forschung beim SVR. Er verwies auf neue Daten zum Thema, die eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2023, die der wissenschaftliche Stab des SVR beim Statistischen Bundesamt in Auftrag gegeben hat.

In Kitas und Schulen fehlt es den Angaben nach an Fachkräften. Zugewanderte pädagogische Fachkräfte könnten einen wesentlichen Beitrag leisten, um diese Lücke zu schließen. In seinem Policy Brief „Verborgene Potenziale erschließen - Berufseinstieg für internationale Fachkräfte in Kitas und Schulen erleichtern“ beziffert der wissenschaftliche Stab des SVR das Fachkräftepotenzial von im Ausland qualifizierten Pädagoginnen und Pädagogen auf 136.000 Menschen, die zwischen 2008 und 2023 zugewandert sind.

Probleme, den Einstieg in die Einrichtungen zu finden

„Doch nur wenigen gelingt der Einstieg in die pädagogische Praxis“, sagte Mohini Lokhande, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der SVR-Geschäftsstelle und Autorin des Policy Briefs. Nur 9,2 Prozent der im Ausland qualifizierten Lehrkräfte arbeiten nach ihren Angaben in Schulen und 18,4 Prozent der frühpädagogischen Fachkräfte in Kitas. „Die Fachkräftelücke im Bildungsbereich ist hoch, und zugleich besteht die Herausforderung, dass sich die Einrichtungen auf die Diversität bei den Kindern und Jugendlichen einstellen. Mehr Zugewanderte für die pädagogischen Berufe zu gewinnen, kann den Bildungsinstitutionen helfen, sich besser auf die wachsende sprachliche, kulturelle, religiöse und soziale Vielfalt der Kinder einzustellen.“

Warum der Berufseinstieg für die zugewanderten Pädagoginnen und Pädagogen trotz Fachkräftelücke so schwierig ist, wurde für den Policy Brief untersucht: „Eine zentrale Herausforderung ist das komplexe und für Betroffene oft schwer zu durchschauende Anerkennungssystem, das sich zudem von Bundesland zu Bundesland unterscheidet“, sagte Lokhande. Die zentrale Voraussetzung für den Berufseinstieg sei in reglementierten Berufen eine erfolgreich durchlaufene Überprüfung der Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses. „Dieser Weg in die pädagogische Praxis ist für die Betroffenen mit langwierigen Verfahren verbunden und häufig unattraktiv“, so die Expertin. "Weitere Hürden sind hohe Sprachanforderungen sowie eine mangelnde Systemkenntnis. Auch Vorbehalte bei denjenigen, die über die Einstellung entscheiden, spielten eine Rolle.

Komplizierte Verfahren sind hohe Hürde

In der Konsequenz scheitern viele Antragstellerinnen und Antragsteller an den komplizierten Verfahren. So gelingt es beispielsweise nur zwei von zehn Lehrkräften aus einem EU-Staat (18,7 Prozent) und weniger als einer von zehn Lehrkräften aus einem Drittstaat (7,5 Prozent), eine volle Anerkennung ihrer Gleichwertigkeit zu erhalten. „Personen ohne Anerkennung sind als Fachkraft für Kitas und Schulen verloren“, so Lokhande.

Um sie als Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte für Schulen und Kitas zu gewinnen, brauche es eine kohärente Strategie, so eine Schlussfolgerung des Policy Briefs. „Wichtig wäre es beispielsweise, die Anerkennungsverfahren als zentrale Hürde zu vereinfachen, Prozesse stärker zu digitalisieren, muttersprachliche oder zumindest englischsprachige Dokumente anzuerkennen und die rechtlichen Voraussetzungen länderübergreifend zu harmonisieren“, sagte Schneider.

Dirk Baas