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Migration

Umfrage: Wovon Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen abhängt




Geflüchtete im Ankunftszentrum in Bramsche-Hesepe in Niedersachsen
epd-bild/Detlef Heese
Eine Umfrage zeigt: Flüchtlinge sind in Deutschland meist willkommen, doch die Solidarität gegenüber den Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Es gebe "durchaus ein gewisses Ranking", erklärt der Sachverständigenrat für Migration.

Berlin (epd). Einer Umfrage des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) zufolge ist die Bereitschaft der Bevölkerung in Deutschland, Flüchtlinge zu unterstützen, grundsätzlich groß. Aber: Manche Flüchtlinge erfahren mehr Solidarität als andere, auch wenn die Unterschiede insgesamt betrachtet eher gering ausfallen, teilte der SVR am 5. Juli in Berlin mit.

Merkmale wie Herkunft, Geschlecht, Religion oder Bildungsniveau der Flüchtlinge sind demnach bedeutsam für das Maß an Hilfsbereitschaft, das ihnen die Bevölkerung entgegenbringt. Auch die politische Orientierung der Befragten und ihr Vertrauen in Institutionen wirkt sich auf ihre Aufnahmebereitschaft aus. Das geht aus den Antworten der über 4.000 Umfrage-Teilnehmer hervor, die telefonisch vom Umfrageinstitut forsa kontaktiert wurden.

Solidarität ist nicht überall gleich ausgeprägt

Die Bürgerinnen und Bürger sind ganz überwiegend solidarisch mit Flüchtlingen und ihnen gegenüber dementsprechend hilfsbereit. Drei von vier der Befragten würden spenden; zwei Drittel würden Flüchtlinge zu Behörden begleiten; knapp ein Drittel würde Flüchtlinge zuhause aufnehmen.

Allerdings erfahren nicht alle das gleiche Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft: „Es gibt im Hinblick auf unterschiedliche Flüchtlingsgruppen durchaus ein gewisses Ranking“, berichtet Nora Storz, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim SVR. „So hat das Herkunftsland eines Flüchtlings Einfluss auf die Solidarität der Aufnahmebevölkerung. Flüchtlingen aus der Ukraine würde mehr Solidarität entgegengebracht als solchen aus Syrien oder Nigeria. Diese Bevorzugung zeigt sich etwa in der höheren Bereitschaft der Befragten, ukrainische Flüchtlinge bei Behördengängen zu begleiten oder sie zeitweise zu Hause aufzunehmen“, berichtet Storz.

Männliche Muslime mit geringer Bildung oft im Nachteil

Die Befragungsergebnisse ließen zudem erkennen, dass christlichen, weiblichen und gut ausgebildeten Flüchtlingen eher geholfen würde als muslimischen, männlichen und gering gebildeten. „Auch wird Flüchtlingen, wenn sie zurückkehren wollen, mehr Hilfsbereitschaft entgegengebracht, als wenn sie eine Bleibeabsicht haben“, erläuterte Storz weiter.

Als besonders relevant für die Hilfs- und Aufnahmebereitschaft haben sich laut SVR die politische Einstellung, das Gefühl politischer Selbstwirksamkeit sowie das Vertrauen in Institutionen erwiesen. Storz: „Politisch links oder eher links eingestellte Befragte sind gegenüber allen drei Herkunftsgruppen der Flüchtlinge hilfsbereit, während politisch in der Mitte, eher rechts oder rechts stehende Befragte eine insgesamt niedrigere Hilfsbereitschaft aufweisen und zwischen ukrainischen Flüchtlingen auf der einen und Flüchtlingen aus Syrien oder Nigeria auf der anderen Seite unterscheiden.“

Weitere Publikation in Vorbereitung

Der vorliegende Policy Brief mit den Ergebnissen der Umfrage ist die erste von zwei geplanten Publikationen aus dem SVR-Forschungsprojekt „Solidarität in der Aufnahmegesellschaft: Wahrnehmung Geflüchteter und Determinanten für Engagement und Hilfsbereitschaft“, das von der Stiftung Mercator gefördert wird.

„Stereotype können Solidarität hemmen oder sogar zu Diskriminierung führen“, sagte Katja Lenz, Projektmanagerin der Stiftung Mercator. „Im Rahmen dieses Forschungsprojekts soll deshalb untersucht werden, welche Faktoren zu einer Ungleichbehandlung führen können und wie Solidarität gegenüber Schutzbedürftigen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion, ihrem Geschlecht oder Bildungsstand gefördert werden kann.“

Dirk Baas


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