» Verbände sehen keine Entwarnung bei der Pflegeausbildung
» Ex-THW-Chef Broemme für allgemeine Dienstpflicht
» Gender Working Time Gap schließt sich laut Studie nur langsam
» Diakonie fordert mehr Unterstützung für Familien mit Down-Syndrom
» Kein Geld mehr für Berliner Sorgentelefon
» Meldestellen für Rassismus und Queerfeindlichkeit gestartet

Pflege

Verbände sehen keine Entwarnung bei der Pflegeausbildung




Pflegeausbildung
epd-bild/Jürgen Blume
Die Zahl der Neuverträge in der Pflegeausbildung ist im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen. Doch die Zunahme reicht laut Verbänden nicht aus, um die Fachkräftelücke zu schließen. Reformen seien nötig.

Wiesbaden (epd). Patientenschützer und Krankenhäuser sehen in steigenden Ausbildungszahlen in der Pflege noch keinen Grund zur Entwarnung. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden vom Dienstag wurden im vergangenen Jahr neun Prozent mehr Ausbildungsverträge zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann abgeschlossen als im Jahr davor. Laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz kommt es allerdings darauf an, den Nachwuchs langfristig im Beruf zu halten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft verwies darauf, dass der Anstieg bislang nicht ausreiche, die Fachkräftelücke zu füllen.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, nannte die Zahlen „trügerisch“. Höhere Gehälter reichten nicht, um Pflegekräfte im Job zu halten. „Neben planbaren Arbeitszeiten und einer guten Work-Life-Balance muss der Pflege mehr Verantwortung übertragen werden“, sagte Brysch. Auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, verwies auf aktuell unattraktive Arbeitsbedingungen in der Pflege. Täglich müsse eine Pflegekraft drei Stunden Schreibarbeit aufwenden, sagte Gaß. Nur eine Stunde weniger Bürokratie täglich würde die Arbeitskraft von 47.000 Fachkräften freisetzen: „Damit wäre der Fachkräftemangel in der Pflege mit einem Schlag gelöst, der Beruf hätte an Attraktivität gewonnen und der Druck auf die Beschäftigten wäre weitaus geringer.“ Zudem reiche das leichte Plus bei den Ausbildungsverträgen nicht aus, da in den kommenden zehn Jahren rund 300.000 Klinikbeschäftigte in den Ruhestand träten.

Laut dem Statistischen Bundesamt gab es im vergangenen Jahr 59.500 Neuverträge in der Pflege, ein Plus von 5.100 im Vergleich zu 2023. Zum Jahresende 2024 befanden sich nach vorläufigen Ergebnissen insgesamt 147.100 Personen in einer Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Damit hat sich die Zahl der Auszubildenden in der Pflege insgesamt gegenüber dem Jahresende 2023 (146.900 Auszubildende) kaum verändert.

Während die Zahl der weiblichen Auszubildenden 2024 leicht um ein Prozent oder 1.200 auf 108.700 abnahm, stieg die Zahl der männlichen Auszubildenden gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent oder 1.400 auf 38.400. Somit waren immer noch 74 Prozent der Pflegeauszubildenden Frauen. Im Jahr 2020, dem Einführungsjahr der generalistischen Pflegeausbildung, hatte der Frauenanteil bei 76 Prozent gelegen. Damit blieb die Geschlechterverteilung seit der Einführung der neuen Pflegeausbildung weitgehend konstant.


 
 

Katastrophenschutz

Ex-THW-Chef Broemme für allgemeine Dienstpflicht



Berlin (epd). Der langjährige Präsident des Technischen Hilfswerks (THW), Albrecht Broemme, hat sich für eine allgemeine Dienstpflicht für Erwachsene ausgesprochen. Zudem sei es nötig, Bundeswehr und Katastrophenschutz enger zu verzahnen. Auf die Frage, ob die Wehrpflicht zurückkommen müsse, sagte Broemme dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Dienstag): „Das wäre sinnvoll. Aber dann müsste es eine allgemeine Dienstpflicht für alle erwachsenen Frauen und Männer sein, nicht mehr die alte Wehrpflicht.“

„Auf jeden Fall würde eine solche Dienstpflicht in die Zeit passen, denn sie könnte die Kluft verringern zwischen dem Staat als abstraktem, feindlichen Gebilde und den Menschen“, sagte der frühere THW-Chef. Er begrüßte die geplante Verwendung von Geldern aus den geplanten Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur für den Katastrophenschutz. Zugleich mahnte er eine bessere Verzahnung von militärischer und ziviler Verteidigung an. „Es ist sehr zu begrüßen, dass aus den beiden Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur Geld in den Katastrophenschutz fließen kann“, sagte er. Aber es fehle immer noch die Vernetzung.


 
 

Arbeit

Gender Working Time Gap schließt sich laut Studie nur langsam



Nürnberg (epd). Die Erwerbsarbeitszeiten von Männern und Frauen nähern sich einer Studie zufolge nur langsam einander an. Laut der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg lag im Jahr 2023 die Zahl der von Frauen geleisteten bezahlten Arbeitsstunden um 24 Prozent niedriger als die der Männer. Das seien nur vier Prozentpunkte weniger als im Jahr 2000.

Insgesamt hätten Frauen 2023 im Schnitt rund 350 Stunden weniger Erwerbsarbeit geleistet als Männer, hieß es. Die Gründe für diesen Gender Working Time Gap lägen vor allem in der höheren Teilzeitquote von Frauen. Zudem leisteten Männer mehr Überstunden und besetzten häufiger Führungspositionen mit längeren Arbeitszeiten. Der leichte Rückgang des Gender Working Time Gap erkläre sich vor allem dadurch, dass Männer ihre Erwerbsarbeitszeiten durch mehr Teilzeit verkürzt hätten. In Ostdeutschland war der Gender Working Time Gap der Studie zufolge mit 18 Prozent weniger stark ausgeprägt als im Westen mit 27 Prozent. Im Westen wirkten traditionelle Geschlechternormen stärker als im Osten, wo Frauen bereits zu DDR-Zeiten stärker in den Arbeitsmarkt integriert gewesen seien. Dies wirke im Osten in niedrigeren Teilzeitquoten bei Frauen und deren insgesamt höherer Erwerbsbeteiligung fort.

IAB-Forscherin Susanne Wanger nannte Rahmenbedingungen von Erwerbsarbeit, die zu verändern seien, um Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu reduzieren. „Dazu gehören ein besserer Zugang zu Kinderbetreuung, stärkere finanzielle Anreize für eine gleichmäßigere Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit und möglichst flexible, selbstbestimmte Arbeitszeitregelungen“, so Wanger.


 
 

Behinderung

Diakonie fordert mehr Unterstützung für Familien mit Down-Syndrom



Stuttgart (epd). Die Diakonie Württemberg hat anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tags am 21. März Politik und Gesellschaft aufgefordert, Familien mit Kindern mit Trisomie 21 stärker zu unterstützen. Anlass ist die zunehmende Nutzung nichtinvasiver Pränataltests (NIPT) während der Schwangerschaft, die laut einem Bundestagsbericht in 92 Prozent der Fälle nach Diagnose von Down-Syndrom zu Schwangerschaftsabbrüchen führen.

„Jedes Kind sollte in unserer Gesellschaft unabhängig von Gesundheit oder Beeinträchtigung willkommen sein“, sagte Oberkirchenrätin Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg. Seit der Kassenzulassung des Bluttests 2022 erführen viele Paare bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel von der genetischen Besonderheit - oft verbunden mit Verunsicherung und weiteren Untersuchungen.

Kornelius Knapp, Vorstand für Sozialpolitik, betonte die Notwendigkeit früher Förderung durch Physio-, Ergo- und Sprachtherapie. „Der Ausbau der Frühen Hilfen muss weiter vorangebracht werden“, sagte er. Zudem benötigten Familien technische Hilfsmittel, passenden Wohnraum und Akzeptanz im Umfeld. „Ein würdiges und auch ein fröhliches Leben für alle Menschen ist möglich, und das ist und bleibt auch eine gesellschaftliche Aufgabe“, so Knapp.


 
 

Jugend

Kein Geld mehr für Berliner Sorgentelefon



Berlin (epd). Das Berliner Sorgentelefon „Nummer gegen Kummer“ erhält ab April kein Fördergeld des Berliner Senats mehr. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wolle alle Mittel für das Kinder-, Jugend- und Elterntelefon streichen, sagte der Sprecher der Berliner Diakonie, Sebastian Peters, am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zuerst hatte die „B.Z.“ darüber berichtet.

Der endgültigen Streichung sei bereits im Januar eine Mitteilung über eine Kürzung der Mittel um zunächst 40 Prozent vorausgegangen. Die Diakonie ist Träger des Projekts. Bereits diese Kürzung wäre „kaum kompensierbar gewesen“, sagte Peters. Pro Jahr müsse die Diakonie für ihre hauptamtlichen Mitarbeitenden 130.000 Euro ausgeben. Bisher wurde das Sorgentelefon den Angaben zufolge mit 100.000 Euro jährlich durch den Senat gefördert.

Die Direktorin der Berliner Diakonie, Ursula Schoen, erklärte, damit sende der Senat das „fatale Signal: Die Sorgen unserer Jugend sind Berlin zu teuer“. Alternative Angebote würden die hohen Standards des anonymen Schutzraums, den die „Nummer gegen Kummer“ biete, nicht erfüllen. Sie sei „äußert irritiert über die Ankündigung und deren ungeheure Kurzfristigkeit“. Das Land teilte der Diakonie nach deren Angaben die Mittelstreichung am 28. Februar mit. Die Senatsverwaltung war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Bundesfamilienministerium hatte den Senat in einem Schreiben, das dem epd vorliegt, um den Erhalt des Sorgentelefons gebeten.


 
 

Diskriminierung

Meldestellen für Rassismus und Queerfeindlichkeit gestartet



Köln (epd). Betroffene von Rassismus und Queerfeindlichkeit in Nordrhein-Westfalen können sich seit Montag an neue Meldestellen wenden. Auch Zeuginnen und Zeugen können Vorfälle bei den vier neuen Meldestellen für Queerfeindlichkeit, antimuslimischen Rassismus, Antiziganismus sowie anti-Schwarzen, antiasiatischen und weitere Formen von Rassismus melden, wie das Queere Netzwerk NRW am Montag ankündigte. Die Vorfälle können anonym online gemeldet werden. So solle „eine einfache und sichere Möglichkeit“ geboten werden, Diskriminierung sichtbar zu machen, hieß es.

„Rassismus und Queerfeindlichkeit sind Alltag von Millionen von Menschen in NRW“, sagte Benjamin Kinkel, Geschäftsführer im Queeren Netzwerk NRW. Mit den Meldestellen solle das statistische Dunkelfeld von Diskriminierung und Gewalt erhellt und eine bessere Unterstützung von Betroffenen geschaffen werden. Die Meldestellen MIQ, MEDAR, DINA und MIRa arbeiten den Angaben zufolge eng zusammen, um Rassismus und Queerfeindlichkeit wissenschaftlich zu analysieren. Die anonymisierten Daten würden ausgewertet, um gesellschaftliche Muster von Diskriminierung und Gewalt zu erkennen. Sie sollen in jährlichen Berichten veröffentlicht werden.

Die Meldestellen werden durch verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen getragen und durch das NRW-Gleichstellungsministerium gefördert. Zwei weitere Stellen erfassen bereits antisemitische Vorfälle (RIAS NRW) und diskriminierende Vorfälle im Fußball (MeDiF-NRW).