Gericht untersagt weiteren "Bild"-Bericht über Kardinal Woelki

Köln (epd). Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki ist vor Gericht erneut erfolgreich gegen einen Bericht der „Bild“-Zeitung vorgegangen. Das Landgericht Köln untersagte der Boulevardzeitung in einem am Mittwoch verkündeten Urteil, über eine „Vertuschungsmafia“ an der Spitze des Erzbistums zu schreiben. Auch die Berichterstattung über einen „geheim gehaltenen Bericht“ wurde verboten. (Az: 28 O 295/21)

„Bild“ hatte laut Gericht am 22. Mai 2021 in einem sowohl in der Printausgabe als auch online erschienen Artikel berichtet, den Kardinal bringe „ein bislang geheim gehaltener Bericht aus dem Giftschrank des Erzbistums in Erklärungsnot“. Der Artikel verletze den Erzbischof in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, weil er nahelege, dass der Kardinal die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht ernsthaft betrieben habe, befanden die Richter. Dies setze dessen Ruf herab.

Die Behauptung, dass ein anonymer Bericht, der 2012 an das Erzbistum gesendet worden ist, bis heute geheim gehalten wurde, sei falsch, heißt es in dem Urteil weiter. Das anonyme Schreiben sei verschiedenen Rechtsanwälten zur Prüfung vorgelegt worden. Es sollte bei strafrechtlicher Relevanz an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden.

Der in dem Artikel verwendete Begriff einer „Vertuschungsmafia“ im Erzbistum Köln stellt nach Ansicht des Gerichts eine unzulässige Verdachtsberichterstattung dar. Leserinnen und Leser verstünden darunter ein systematisches Zusammenwirken einer Clique an der Spitze des Kölner Erzbistums zur Vertuschung sexueller Gewalt von Priestern gegen Minderjährige, zu der auch der Erzbischof zu rechnen sei. Dieser Eindruck werde durch den Kontext und die konkrete Aufmachung des Artikels gefördert. Die „Bild“-Zeitung habe dabei die Grundsätze, die die Rechtsprechung an eine sogenannte Verdachtsberichterstattung stellt, nicht eingehalten.

Zwar bestehe ein hohes öffentliches Interesse am Ausmaß der Missbrauchsvorwürfe und darüber, inwieweit sich der Erzbischof an der ernsthaften Aufarbeitung dieser Fälle beteiligt habe, erklärte das Gericht. Es sei jedoch nicht das erforderliche Mindestmaß an belastbaren Tatsachen ersichtlich. Zudem sei der Artikel nicht ausgewogen. Es würden wesentliche entlastende Umstände, die Woelki der Zeitung zuvor in einer Stellungnahme mitgeteilt hatte, nicht in dem notwendigen Maß genannt.

Der Kölner Erzbischof wehrt sich gegen die Berichterstattung der „Bild“ in insgesamt vier Verfahren. Zwei Urteile hatte das Landgericht Köln bereits am 18. Mai verkündet. In dem einen wurde die Berichterstattung in der Online-Ausgabe der Zeitung als unzulässig untersagt. Ein weiterer Artikel durfte so erscheinen. Eine weitere Entscheidung in dem noch anhängigen Verfahren wird nach Angaben des Gerichts voraussichtlich am 22. Juni verkündet.

lwd

ZDF-Programmdirektorin zufrieden mit Freigabe von "Terra X"-Clips

Berlin (epd). Die ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke hat sich zufrieden mit der Freigabe von „Terra X“-Erklärvideos mit der sogenannten Creative-Commons-Lizenz gezeigt. Seit zweieinhalb Jahren seien mehr als 250 Clips so veröffentlicht worden, dass sie auch kommerziell weiterverwendet werden durften, sagte sie bei dem Medienkongress re:publica am Mittwoch in Berlin. Erlaubt ist den Angaben zufolge auch, dass sie verändert werden, solange die Aussage bestehe bleibe.

Mit Blick auf die Weiternutzung der Clips durch Wikipedia-Freiwillige fügte Bilke hinzu, auf dieser Plattform seien die Videos rund 40 Millionen Mal angesehen worden.

Bilke, die auf der re:publika mit dem geschäftsführenden Vorstand von wikimedia.de, Christian Humborg, über das Thema diskutierte, sagte, die Wissensvermittlung sei ein gemeinsames Anliegen, um mit solchen Inhalten einen Beitrag zur Meinungsbildung in der Gesellschaft zu leisten. In dieser Hinsicht sei die Freigabe der „Terra X“-Clips ein „Leuchtturmprojekt“. Sie äußerte die Hoffnung, künftig noch mehr Inhalte über Creative-Commons-Lizenzen zur Verfügung stellen zu können. Allerdings sei das zum Teil schwierig: So gebe es in den Archiven Produktionen mit eher historischen Verträgen aus einer Zeit, in der diese Art der Weiterverbreitung noch nicht vorgesehen gewesen sei. Auch die Frage der Musikrechte müsse berücksichtigt werden.

Wikimedia-Vorstand Humborg ging davon aus, dass die Öffentlich-Rechtlichen schnell handeln müssten. Der Legitimationsdruck werde steigen, zeigte er sich überzeugt. Denn wenn Inhalte mit Steuergeldern finanziert würden, müssten sie nutzbar sein und allen zur Verfügung stehen, betonte er.

Inhalte mit sogenannten Creative-Commons-Lizenzen dürfen von anderen verwendet und weiterverbreitet werden, wenn sie Urheber und Herkunft des Berichts nennen. Auch die „Tagesschau“ gibt Videos mit einer Creative-Commons-Lizenz frei - allerdings nicht für kommerzielle Zwecke. Creative Commons (CC) ist eine Non-Profit-Organisation, die vorgefertigte Lizenzverträge anbietet, über die Urheber rechtlich geschützte Inhalte freigeben können. Dabei gibt es sechs Standard-CC-Lizenzverträge mit abgestuften Regelungen dazu, was Nutzern jeweils erlaubt wird.

mey

Haseloff in ZDF-Verwaltungsrat gewählt

Magdeburg/Mainz (epd). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) ist ab 1. Juli Mitglied im ZDF-Verwaltungsrat. Die Konferenz der Regierungschefinnen und -chefs der Bundesländer wählte den CDU-Politiker in das Gremium, wie die Staatskanzlei in Magdeburg am Mittwoch mitteilte. Haseloff folgt auf Stanislaw Tillich (CDU). Der frühere Ministerpräsident von Sachsen und Aufsichtsratsvorsitzende der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft scheidet nach ZDF-Angaben zum 1. Juli aus dem Verwaltungsrat aus.

Vorsitzende des zwölfköpfigen Verwaltungsrats ist die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Außerdem gehören dem Gremium Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein brandenburgischer Amtskollege Dietmar Woidke (SPD) an. Die Ministerpräsidenten werden als Vertreter der Bundesländer berufen. Der Fernsehrat wählt die acht weiteren Mitglieder.

Die Zahl der staatsnahen Mitglieder im Verwaltungsrat darf nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2014 maximal ein Drittel betragen. Die Mitglieder insgesamt sind nicht an Weisungen gebunden und dürfen laut ZDF keine wirtschaftlichen oder sonstigen Interessen vertreten, die der Wahrnehmung ihrer Aufgabe im Verwaltungsrat entgegenstehen.

cd

Deutscher Fernsehpreis mit neuem Konzept

Köln (epd). Der Deutsche Fernsehpreis wird in diesem Jahr zum ersten Mal an zwei aufeinanderfolgenden Abenden verliehen. In der „Nacht der Kreativen“ am 13. September im Studio Ehrenfeld sollen die Auszeichnungen in den Kategorien Fiktion, Unterhaltung und Information vergeben werden, erklärten die Organisatoren am Mittwoch in Köln. Am 14. September sei in den Kölner MMC Studios eine Show für das TV-Publikum geplant.

Norbert Himmler, ZDF-Intendant und Vorsitzender des Stifterkreises, erklärte, herausragendes Fernsehen entstehe immer im Zusammenwirken kreativer Persönlichkeiten. „Diese wollen wir erstmalig mit einer exklusiven 'Nacht der Kreativen' würdigen und am darauffolgenden Abend eine zeitgemäße Show mit den Highlights des Fernsehjahres für das TV-Publikum ausrichten.“ Die Veranstaltung werde von Jana Pareigis moderiert und zeitversetzt am späten Dienstagabend im ZDF ausgestrahlt.

Auch die große TV-Gala am 14. September sei neu konzipiert worden, hieß es. Die Show werde von Barbara Schöneberger moderiert und um 20.15 Uhr im ZDF gesendet.

Der Deutsche Fernsehpreis 2022 wird in insgesamt 30 Kategorien verliehen. Getragen von ZDF, SAT.1, ARD, Deutscher Telekom und RTL werden jedes Jahr herausragende TV-Produktionen und deren Macherinnen und Macher geehrt. Turnusgemäß liegt die Federführung in diesem Jahr beim ZDF. Die Auswahl der Nominierten und Preisträger trifft eine unabhängige Fachjury. Der Beobachtungszeitraum für die diesjährigen Auszeichnungen reicht vom 1. Juli 2021 bis zum 30. Juni 2022.

lwd

Ulrike Krey übernimmt Redaktionsleitung von "Galileo"

Unterföhring (epd). Ulrike Krey wird zum 1. Oktober 2022 neue Redaktionsleiterin des ProSieben-Wissensmagazins „Galileo“. Bereits von 2000 bis 2010 war sie in verschiedenen Funktionen für die Sendung tätig und prägte die Ausgaben „Galileo am Sonntag“ und „Galileo Big Pictures“ maßgeblich mit, wie der Sender am Mittwoch mitteilte.

Aktuell steuert Krey als Chefredakteurin bei Kabel Eins die Magazine „Abenteuer Leben“ und „K1 Magazin“ sowie diverse Prime-Time-Formate. Bis 2019 verantwortete Krey den Angaben zufolge die Entwicklung von Eigenproduktionen bei sixx.

Krey folgt auf Christian Schleker und berichtet an ProSieben-Chefredakteur Stefan Vaupel. Schleker wolle sich künftig neuen Aufgaben widmen, hieß es.

„Galileo“ startete 1998 auf ProSieben und ist dem Sender zufolge damit das am längsten laufende Wissensmagazin im deutschen Fernsehen. Unter anderem erhielt die Sendung den Deutschen Fernsehpreis und den Grimme-Preis.

cd