Kretschmann: Gesellschaft braucht Kirchen mit klarem Werte-Kompass
Stuttgart (epd). Nach Ansicht des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) braucht es in einer Zeit der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und außenpolitischen Umbrüche Kirchen mit einem klaren Kompass an Werten. Es brauche Kirchen, die Lebensklugheit mit konstruktiver Kritik verbinden, die Anwälte für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Toleranz und Frieden sind, sagte er am Dienstag bei einer Jubiläumsveranstaltung der katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Seine Erfahrung sei, dass Kirchen immer dann besondere Wertschätzung erleben, wenn sie Antworten auf Fragen zu Sinn, Verantwortung und Hoffnung geben, sagte der scheidende Ministerpräsident. Gerade, weil Christen an die Auferstehung und den Himmel glaubten, sollten sie diejenigen sein, „die sich am allerwenigsten Sorge um die Zukunft machen“. Auch wenn die Zahl der Kirchenmitglieder abnehme, gelte: „Solange Christen Salz der Erde und Licht der Welt sind, werden sie wirksam bleiben“.
Professor Seewald: Kirche muss grundsätzlich über ihren Auftrag nachdenken
Michael Seewald, Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster, sagte, im Gebet wendeten sich Christen an Gott. Dies könne gläubigen Menschen Hoffnung geben, weil sie sich nicht mit ihrer Lage abfänden, sondern die Welt veränderten, in der Zuversicht, dass es besser werden könne. Bei allen Reformdiskussionen sei es wichtig, grundsätzlich über die Kirche, ihren Auftrag und ihren Dienst nachzudenken und den Glauben plausibel erklären zu können, betonte er.
Aufgrund der sinkenden Zahl an Mitgliedern müsse die Kirche sparen, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Klaus Krämer. Dennoch müsse es der Kirche gelingen, neue Akzente zu setzen. Wichtig sei, dass „Glaube als Mehrwert konkret erfahrbar und erlebbar ist“.
Glaube kann Hoffnung geben
Ernst-Wilhelm Gohl, Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, sagte, vor allem für junge Menschen brauche es gute Gründe, um in der Kirche zu bleiben. Ein Grund könne sein, dass der Glaube der Zukunftsangst Hoffnung entgegenstelle. Ihm gebe zudem Hoffnung, dass sich die Kirchen sozial engagierten, sagte er. So werde etwa in den Vesperkirchen erlebt, „dass es in der Kirche anders zugeht, dass jeder Mensch Gottes Ebenbild ist“.
Die Veranstaltung stand unter dem Thema: „Anschluss verloren? Wie die Zukunft der Kirchen in Gesellschaften der Zukunft gelingt“. Sie war der Auftakt zum Jubiläumsjahr, das 2026 das 75-jährige Bestehen der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart feiert. (0702/17.03.2026)
![]() |

