Kirche und Politik

Für Ralf Frisch gehört Kritik an der Kirche zu seinem Jobprofil

Der Theologieprofessor über steile Thesen und eigene Dünnhäutigkeit

epd-Gespräch: Daniel Staffen-Quandt und Christiane Ried

München (epd). Theologieprofessor Ralf Frisch provoziert gerne mit steilen Thesen und spitzer Zunge: An seinen Kolumnen im Online-Portal „sonntagsblatt.de“ scheiden sich mitunter die Geister. Nun hat der Claudius-Verlag eine Kolumnen-Sammlung veröffentlicht: „Mehr Opium fürs Volk.“ In den Texten teilt Frisch ordentlich aus gegen eine angebliche Infantilisierung und Gottvergessenheit von Theologie und Kirche - nicht, weil er sie als ordinierter Pfarrer doof findet, sondern weil Kirche und Theologie ihm am Herzen liegen, sagt er. Ein Gespräch über verbale Kettensägen, moralinsaure Botschaften und den innersten Wunsch, geliebt zu werden.

epd: Herr Frisch, man fragt das in Deutschland ja nicht gerne, aber was für eine Summe stand vergangenen Monat auf Ihrer Gehaltsabrechnung?

Ralf Frisch: Das kann jeder nachschauen, der weiß, was Hochschullehrer besoldungsmäßig verdienen. Es kommt natürlich darauf an, was für eine Professur man hat. Wieso fragen Sie?

epd: Die Frage stellt sich, weil Sie vom System Kirche eigentlich ganz gut leben. Sie sind ordinierter Pfarrer, damit faktisch Kirchenbeamter auf Lebenszeit, und Professor an einer evangelischen Hochschule. Warum packen Sie dann so regelmäßig die „Bazooka“ - oder wie Sie selbst schreiben: die Kettensäge aus, um gegen Ihre eigene Kirche zu schießen?

Frisch: Ganz einfach: Genau deshalb, weil ich dafür bezahlt werde. Wenn Karl Barth recht hat, dass Dogmatik die Selbstprüfung der christlichen Kirche hinsichtlich der Frage ist, ob diese Kirche eigentlich noch ihrem Gegenstand - dem Evangelium - entspricht, dann gehört das schlicht zu meinem Job. Ich setze mich kritisch mit der Kirche auseinander, weil sie mir existenziell und intellektuell am Herzen liegt, nicht weil ich sie ablehne oder ihr gar schaden wollte. Man kann der Kirche auch dadurch schaden, dass man sie zu wenig kritisiert, sondern es sich einfach in ihr gemütlich macht oder nur noch mit Strukturdebatten ohne die geringste Leidenschaft für die spirituelle Regeneration der Kirche beschäftigt ist.

Frisch: Scheitern der Moral zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel

epd: Sie werfen der Kirche unter anderem vor, sie renne mit vorgeschützter Zuversicht in den Abgrund, theologische Fundamente seien erodiert. Sie verkünde nur noch „moralisches Heldentum“. Das ist fundamentale Kritik. Was meinen Sie damit genau?

Frisch: Ich sehe, dass die öffentliche Theologie in der medialen Landschaft oft die Probe aufs Exempel zu sein scheint, ob es auch ohne Gott geht und ob es ohne Gott vielleicht sogar besser geht. Das Narrativ der „modernen Kirche“ ist das des aufgeklärten, moralisch-sozialen Akteurs. Der Glaube an die Humanität und den guten Menschen scheint zum eigentlichen Bekenntnis der evangelischen Kirche geworden zu sein.

epd: Was ist denn so schlimm daran, an das Gute im Menschen zu glauben?

Frisch: Ich bin der tiefen Überzeugung, dass der Glaube an den guten Menschen nichts mit dem christlichen Glauben zu tun hat. Christus wurde im Namen der herrschenden Moral, der herrschenden Politik und der herrschenden Religion gekreuzigt. Wenn der Glaube an den guten Menschen die Basis des Glaubens wäre, dann bräuchten wir keine Passionsgeschichte zu erzählen, sondern könnten es beim mustergültigen Moralprediger von Nazareth belassen. Das Kreuz durchkreuzt die Illusion unserer moralisch-humanistischen Erzählungen. Das Scheitern der Moral zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel.

Theologe Frisch: Narrativ der Kirche sollte primär religiös und nicht politisch sein

epd: Aber geht nicht beides? Kann man nicht an den Menschen glauben und an das Wunder Gottes?

Frisch: Sobald man dieses Kombimodell fährt - der gute Mensch und der gute Gott -, oxidiert der „gute Gott“ an der Luft der Aufklärung sofort zu einer Metapher für Zwischenmenschlichkeit. Übrig bleibt meist nur der gute Mensch. Als Lutheraner ist mir diese Form der Zuversicht auf das harmonische Zusammenspiel von Gott und Mensch nicht gegeben. Die Grundfrage ist: Glauben wir an eine rettende Transzendenz, an ein Geheimnis, das die Welt im Innersten und Äußersten zusammenhält, oder glauben wir nur noch daran, dass der gute Mensch die Antwort auf alles ist?

epd: Ihre Kritik richtet sich oft gegen die Kirchenleitung. Aber die Kirche ist doch viel breiter, von ultrakonservativ bis superliberal. Warum sehen Sie immer nur den „Wellness-Einheitsbrei“, der Sie so triggert?

Frisch: Es ist auch ein medialer Kulturkampf. In den Verlautbarungen des Protestantismus habe ich oft das Gefühl, ich lese Texte vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB, der SPD oder den Grünen. Mir geht es nicht darum, dass ich mir etwas politisch Konservativeres wünsche. Mir geht es darum, dass das Narrativ primär nicht ein politisches Narrativ, egal welcher Couleur, sondern ein religiöses sein sollte. Wenn wir als Kirche nur noch moralische Kommunikation betreiben, weil wir glauben, die Sprache der Ethik werde immer verstanden, dann verlieren wir unseren ureigensten Kern.

Kolumnist Frisch: Nach jeder Veröffentlichung schlottern die Knie

epd: Wann ist die Kirche denn in diese aus Ihrer Sicht rein „politisch-moralische“ Richtung abgebogen?

Frisch: Das begann massiv mit der Aufklärung. Für aufgeklärte Christen schien nach der alles zermalmenden Metaphysikkritik Immanuel Kants nur noch das übrigzubleiben, was durch den Filter des kategorischen Imperativs gelaufen war. Dogmatik galt als „Fantasy“. Faktisch wurden die reformatorischen Bekenntnisse dem Bekenntnis an ethisch vorbildliche Menschen geopfert. Die Kirche dachte, es sei Erfolg versprechender, in dieser Währung zu kommunizieren. Heute managen wir eine humanistische Kirche eigentlich mit drei Bibelstellen: mit der Goldenen Regel, dem Gebot der Nächstenliebe und dem Satz „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ Dafür braucht man keine Bibel mehr, die dicker ist als eine Postkarte.

epd: In Ihren Kolumnen wirken Sie mitunter destruktiv. Sie benutzen Begriffe wie „Besser-Menschentum“ oder „Anstandswauwaus“. Warum provozieren Sie so stark?

Frisch: Ich bin eigentlich ein dünnhäutiger Mensch, dem nach der Veröffentlichung jeder Kolumne das Herz in die Hose rutscht und die Knie schlottern. Aber ich habe das Gefühl, es muss gesagt werden. Meine Kolumnen sind ja nicht nur polemisch, sondern auch witzig, selbstironisch und geistreich. Ich leide an der Kirche und an der Theologie, weil ich in ihr das „Oberlicht“ suche, die Vertikale. Die Provokation ist natürlich eine Strategie der Aufmerksamkeitserzeugung. Manchmal braucht die Wahrheit halt jemanden, der sie deutlich und drastisch artikuliert. Ich werde offenbar irgendwo im Netz als „Krawalltheologe“ bezeichnet, was ich an sich nicht besonders cool finde. Andererseits gefällt es mir natürlich auch, obwohl es vernichtend gemeint ist und mich als unseriösen Populisten darstellen soll. Aber eine Wahrheit ist ja auch: Wenn man zu leise tritt, wird man nicht gehört. Wenn ich ehrlich bin, ist Luther in dieser Hinsicht echt ein Vorbild für mich. Neulich hat jemand zu mir nach einem Vortrag gesagt, ich habe eine hohe Irritationskompetenz. Das hat mir gefallen.

„Die Krise unserer Zeit ist eine Glaubens- und eine Gotteskrise“

epd: Besteht nicht die Gefahr, dass Ihre Botschaft durch Begriffe wie „Gutmenschentum“ oder „Zerfall des Abendlandes“ geschmälert wird und Sie am rechten Rand fischen?

Frisch: Es ist eine erfolgreiche Strategie, alles, was nicht einer bestimmten politischen Überzeugung entspricht, sofort als „rechts“ zu etikettieren. Ich würde nie die AfD wählen. Aber wenn wir die Sorgen der Menschen, die den Zerfall christlicher Traditionen und des gesellschaftlichen Konsenses spüren, als „rechte Kampfbegriffe“ abtun, nehmen wir die Menschen nicht ernst und brechen die Brücken zu ihnen ab. Luther wollte dem Volk aufs Maul schauen. Viele, die von „unserer“ Demokratie reden, wollen dem Volk am liebsten den Mund verbieten. Ich fürchte, dass das nicht gut ausgeht und dass es tatsächlich zu AfD-Mehrheiten in den neuen Bundesländern führen könnte. Außerdem führt die Tatsache, dass man bestimmte Dinge nicht sagen darf, weil einen dann „die Rechten lieben könnten“, dazu, dass man in der Sache gar nicht mehr diskutiert.

epd: Was ist denn Ihr konstruktiver Gegenvorschlag? Wie geht es weiter? Wie kann es weitergehen? Wie kann die Kirche überleben?

Frisch: Es hilft nichts außer der Wiederentdeckung der religiösen, spirituellen, also der geistlichen Kommunikation. Die Krise unserer Zeit ist eine Glaubens- und eine Gotteskrise. Man kann aus fast allen kirchlichen Verlautbarungen das Wort „Gott“ rauskürzen, ohne dass sich der Sinn ändern würde. Wenn das Wort „Gott“ überhaupt drin ist. Wir müssen den USP - das Alleinstellungsmerkmal, also das Proprium - der Kirche wiederfinden: das Andersweltliche. Den Spirit, der die Christen von den Nichtchristen unterscheidet. Den Spalt, der sich von oben her auftut und nach dem viele Menschen, die in die Kirche gehen, vielleicht doch suchen.

Frisch: Kirche muss an Dimension der Wirklichkeit erinnern, die größer als wir ist

epd: Aber erreichen Sie mit mehr Geistlichkeit heute noch die Menschen in einer schrumpfenden Volkskirche?

Frisch: Wir brauchen eine Sprache, die weder in charismatische Naivitäten noch in reinem Moralismus oder in der Binsenweisheit von Friseur- oder Wartezimmer-Zeitschrifen stecken bleibt. Es geht um die Erinnerung an eine Dimension der Wirklichkeit, die größer ist als wir selbst. Wenn die Kirche das nicht mehr anspricht, können wir zusperren. Aber es gibt einen Fundus an Menschen, die eine Sehnsucht nach diesem „Anderen“ haben, das sich nicht in Gesellschaftspolitik erschöpft.

epd: Gab es für Sie einen Schlüsselmoment, an dem Sie entschieden haben, so massiv Kritik zu üben?

Frisch: Ein Schlüsselmoment war 2015. Ich sollte einen Vortrag über „Weltfremdheit“ halten und wusste, dass man hören wollte, dass wir als Kirche weniger weltfremd sein müssen. Aber dann kam mir der Gedanke: Ich halte ein Plädoyer für die Weltfremdheit. Die Kirche ist nicht Welt. Sie ist mitten in der Welt, aber sie ist mitten in der Welt jenseitig. Sie ist also sozusagen Schnittstelle zwischen der Vertikalen und der Horizontalen. Als diese Idee in mein Denken einfiel, war das für mich ein echter Aha-Moment. Ich wusste auf einmal, was mir fehlte. Ich wusste, worauf es in der Kirche wirklich wieder ankommen sollte.

Kritiker Frisch: Schonungslosigkeit ist anstrengend

epd: Sie nutzen die Metapher von „Kettensäge und Florett“, mit der Sie Kritik üben. Was ist Ihnen lieber?

Frisch: Beides hat seinen Reiz, um Themen zu sezieren und anzusprechen und um die Sache, um die es mir bei aller Eitelkeit immer geht, eindringlich zur Sprache zu bringen. Die einen finden meinen schonungslosen Stil abstoßend, die anderen finden ihn cool. Das Problem ist natürlich, dass ich, wie wahrscheinlich alle Menschen, die schreiben, für das, was ich schreibe, trotzdem geliebt werden will. Glauben Sie übrigens nicht, dass diese Schonungslosigkeit nicht anstrengend ist. Ich schone ja auch mich selbst nicht. Und wenn dann wieder mal der Tank der Kettensäge leer ist, denke ich mir manchmal, ob ich nicht vielleicht einfach schöne, erbauliche Sachen schreiben sollte, die runtergehen wie Öl oder eben wie das fränkische Bier, das ich so liebe. Aber ich bin eben nicht so der Katzenkalendertyp. (1511/28.05.2026)

Nach Brand in Münchner Johanneskirche: Überprüfung der Orgel nötig

München (epd). Nach einem Brand am vergangenen Samstagabend gehen in der evangelischen Johanneskirche im Stadtteil Haidhausen die Aufräumarbeiten weiter. Nach 60-stündiger Dauerbelüftung sei zwar der Brandgeruch aus dem Kirchenschiff verschwunden, nicht aber im Ostaufgang der Kirche, wo der Brandherd war, sagte der Vertrauensmann des Kirchenvorstands, Dieter Rippel, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Man werde diesen Aufgang deshalb neu streichen und, wenn nötig, auch den schwer entflammbaren Teppich austauschen müssen. Außerdem werde man vorsichtshalber die Steinmeyer-Orgel erst nach einer Prüfung durch den Orgelsachverständigen wieder in Betrieb nehmen, um langfristige Schäden zu vermeiden. „Es könnte sein, dass sich Brandpartikel im Instrument abgesetzt haben“, erklärte Rippel. Bislang gehe man von einem mittleren vierstelligen Sachschaden aus.

Pfarrerin entdeckt Brand beim Routinegang

Entdeckt hatte den Brand die geschäftsführende Pfarrerin Nina Spehr. Sie hatte nach dem DFB-Pokalfinale bei ihrem Routinegang durch die Kirche Rauch bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Diese löschte den Brand an einer Holztür im Ostaufgang und stellte dabei Reste eines abgebrannten Pappkartons sicher. Die Polizei ermittelt nun wegen schwerer Brandstiftung. Sachdienliche Hinweise können beim Polizeipräsidium München, Kommissariat 13, oder jeder anderen Polizeidienststelle gemacht werden.

St. Johannes wurde 1916 als vierte evangelische Kirche in München eingeweiht. Die Pläne für das neoromanische Gotteshaus stammen von Albert Schmidt, der auch die evangelische Lukaskirche sowie die alte Münchner Hauptsynagoge, die im Juni 1938 auf Befehl Hitlers abgebrochen wurde, entworfen hatte. (1526/28.05.2026)

Diakonie und Soziales

Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem eröffnet Bildungszentrum in München

Von Franziska Hein und Susanne Schröder (epd)

München/Jerusalem (epd). Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem will ein neues Bildungszentrum in München eröffnen. Der Standort sei nach einer bundesweiten Machbarkeitsstudie mit Unterstützung der deutschen Regierung ausgewählt worden, teilte die Gedenkstätte am Donnerstag mit. Das neue Bildungszentrum soll demnach in drei Jahren öffnen.

Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, erklärte: „Da wir uns immer weiter von der Ära der Zeitzeugenberichte entfernen, ist eine historisch fundierte Holocaust-Bildung wichtiger denn je.“ Die Wahl Münchens als Geburtsstätte der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) habe eine tiefe symbolische Bedeutung. Das neue Bildungszentrum, das erste von Yad Vashem außerhalb Israels, wird am Karolinenplatz im Zentrum von München errichtet, wie es hieß.

Dependance in Leipzig geplant

In der bayerischen Landeshauptstadt wurde die Entscheidung begrüßt. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern, bezeichnete das geplante Bildungszentrum als „gute Nachricht für die demokratische Kultur“. Als frühere 'Hauptstadt der Bewegung' und als Knotenpunkt des jüdischen Lebens in Europa biete München „perfekte Voraussetzungen für eine Einrichtung, die die Gedenkkultur in einer neuen Epoche stärken soll“, sagte Knobloch am Donnerstag.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, dass Bayern „für Yad Vashem ein gutes Zuhause“ sein werde. Die Entscheidung für München sei „eine Ehre“ und zeige „unsere enge Beziehung zur jüdischen Gemeinde und zu Israel“, erklärte Söder weiter. Der Antisemitismus-Beauftragte des Freistaats, Ludwig Spaenle (CSU), bezeichnete die Ansiedlung des „Yad Vashem Education Centers“ in München als „Geste des Vertrauens“. Das Zentrum werde „ein Leuchtturm der Aufklärung und des Dialogs sein“, so Spaenle. Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, betonte, dass das neue Bildungszentrum „die Arbeit unserer Gedenkstätten ideal ergänzen und neue Impulse für die historisch-politische Bildung setzen“ werde.

Dependance in Leipzig

Neben dem Hauptstandort in München soll eine kleinere Dependance in Leipzig entstehen. Das dortige Angebot soll sich speziell an Pädagoginnen und Pädagogen in der gesamten Region sowie in deren Nachbarländern richten. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte, Teil des neuen Holocaust-Bildungszentrums zu sein, sei für Sachsen eine große Ehre und zugleich Verpflichtung. Leipzig könne auch eine „Brücke nach Osteuropa“ sein.

Die Idee für das Bildungszentrum in Deutschland wurde erstmals 2023 bei einem Treffen zwischen Dayan und dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vorgebracht. Die schwarz-rote Koalition hatte das Projekt ebenfalls unterstützt.

Prien: Menschen wissen zu wenig über die Schoah

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte laut Mitteilung, gerade junge Menschen in Deutschland wüssten zu wenig über die Schoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus. „Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern.“

Nach der Machbarkeitsstudie hatte Yad Vashem im vergangenen September bekannt gegeben, dass die Bundesländer Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen in der engeren Wahl als mögliche Standorte waren. Neben Leipzig und München hatten sich auch Köln und Düsseldorf beworben.

Neuer Standort im früheren NSDAP-Viertel

Für München habe man sich nun unter anderem wegen der hohen Sicherheitsstandards und der finanziellen Zusicherung der bayerischen Staatsregierung entschieden. In der Nähe des Karolinenplatzes in München befindet sich bereits das NS-Dokumentationszentrum. Es steht am ehemaligen Standort des „Braunen Hauses“, der Parteizentrale der NSDAP. In deren Nachbarschaft entstand nach 1933 ein weitläufiges Parteiviertel mit Verwaltungsgebäuden, Zentralbehörden und Nebenstellen der Nazi-Partei.

Die Gedenkstätte Yad Vashem wurde 1953 durch ein Gesetz der Knesset gegründet und versteht sich als „lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust“. Ihre Aufgaben sind Erinnerung, Dokumentation, Forschung und Bildung. (1527/28.05.2026)

Bayerns Behindertenbeauftragte besorgt um Zukunft der Teilhabe

München (epd). Laut dem Behindertenbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Holger Kiesel, haben Menschen mit Behinderung in Deutschland „wieder Angst, dass man ihnen ihre Lebensgrundlage entzieht“. In einer Mitteilung vom Donnerstag äußerten er und die kommunalen Behindertenbeauftragten Bayerns Sorge angesichts der Kürzungsvorschläge in der Eingliederungs- sowie Kinder- und Jugendhilfe. Diese seien ein „massiver Angriff auf unseren Sozialstaat“. Kiesel fühle sich „als studierter Historiker immer öfter auf sehr unangenehme Weise an dunkle Zeiten erinnert“.

Die Behindertenbeauftragten betonten, dass Einsparungen bei Teilhabeleistungen weder die bestehenden Probleme lösen noch langfristig Kosten senken würden. Die geplanten Einschnitte dürften nicht zur Grundlage gesetzgeberischer Initiativen gemacht werden, heißt es weiter. Stattdessen brauche es Lösungen, die Inklusion stärken und Bürokratie abbauen, Zukunftsinvestitionen in Barrierefreiheit, inklusive Strukturen und echte gesellschaftliche Teilhabe. (1533/28.05.2026)