Ihr wöchentlicher Branchendienst
Ausgabe 26/2025 - 27.06.2025
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Berlin (epd). Der „Ratschlag Kinderarmut“, ein Zusammenschluss von 52 Akteur:innen aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft, beklagte die falsche Gewichtung bei den Investitionen. Das Bündnis forderte die Bundesregierung in einer gemeinsamen Erklärung auf, entschlossen in die soziale Infrastruktur zu investieren. „Besonders Kinder und Familien in Armut sind auf funktionierende Bildungs-, Betreuungs- und Unterstützungsangebote angewiesen. Investitionen in Kinder und Jugendliche sind als Investitionen in Wohlstand und Demokratie zu begreifen“, heißt es in der Mitteilung vom 26. Juni.
Die Diakonie Deutschland, die den Appell unterstützt, verwies darauf, dass es wichtig sei, benachteiligten Kindern und Jugendlichen bessere Startchancen zu ermöglichen. In Deutschland seien mehr als 2,8 Millionen Kinder von Armut betroffen. Unter anderen haben neben der Diakonie auch der Deutsche Caritasverband, die Arbeiterwohlfahrt, der Sozialverband VdK und das Deutsche Kinderhilfswerk den Appell unterzeichnet.
Investitionen in Kinder und Jugendliche seien Investitionen in Wohlstand und Demokratie, heißt es in der Erklärung. Solche Investitionen zahlten sich langfristig aus, da sie zu mehr Wachstum, weniger Armut und mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt führten. Der am 24. Juni vom Bundeskabinett gebilligte Haushaltsentwurf sieht für 2025 Ausgaben von rund 503 Milliarden Euro vor. Er muss noch vom Bundestag beschlossen werden.
Noch immer entscheide in Deutschland die soziale Herkunft und der Wohnort maßgeblich über Teilhabemöglichkeiten und Zukunftschancen von Kindern, bemängeln die Verbände: „Wirtschaft und Gesellschaft können jedoch ihr volles Potenzial nicht entfalten, wenn einem Teil der Kinder und Jugendlichen keine echte Chance auf Entwicklung gegeben wird.“
Es brauche mehr Geld für Bildung sowie für die Bekämpfung der Kinderarmut und des Fachkräftemangels im Bildungssystem, hieß es weiter. Die Liste reiche von fehlenden Fachkräften über unzuverlässige Betreuungszeiten bis zu maroden Schultoiletten. Notwendig sei eine Palette an Maßnahmen, darunter eine bedarfsgerechte frühkindliche Bildung, mehr Haushaltsmittel gegen Kinderarmut, eine verlässliche Finanzierung der Jugendsozialarbeit oder kostenlose Mittagessen für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen.
AWO-Präsidentin Kathrin Sonnenholzner nahm den Bund in die Pflicht. „Statt die Zukunft der jungen Generation kaputtzusparen, müssen jetzt schnellstmöglich die Sozial- und Bildungsetats ertüchtigt werden.“ Neben armutsfesten Sozialleistungen brauche es Investitionen in die soziale Infrastruktur. „Die Kinder- und Jugendhilfe muss im laufenden Gesetzgebungsverfahren als Förderziel des Sondervermögens explizit benannt werden“, sagte die Präsidentin. Die nötigen Milliarden für eine Infrastrukturoffensive und eine bessere finanzielle Unterstützung von Familien mit kleinen Einkommen könne die neue Bundesregierung durch eine Absenkung der Kinderfreibeträge einspielen und dadurch auch noch der Privilegierung reicher Familien ein Ende setzen.
„Der Koalitionsvertrag verspricht massive Investitionen in Kitas und Schulen“, betonte die Geschäftsführerin des Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie (eaf), Nicole Trieloff. „Dieses Versprechen muss die Bundesregierung schnellstmöglich einlösen.“ Immer noch entscheide die soziale Herkunft in Deutschland maßgeblich über Teilhabemöglichkeiten und Zukunftschancen. „Eine funktionierende soziale Infrastruktur kann Ungleichheiten kompensieren und die Weichen für ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut stellen“, so Trieloff.
„Wesentliche Teile des Sondervermögens Infrastruktur müssten in die soziale Infrastruktur, in hochwertige Betreuungs- und Bildungsangebote, Jugendsozialarbeit und Familienbildung fließen. Und: “Jede alleingelassene Familie schwächt das Vertrauen in die Demokratie. Jede ausgefallene Unterrichtsstunde ist ein Armutszeugnis", sagte die Geschäftsführerin.